"Brühwurst intensiv"

 In einem zweitägigen Produktionsseminar am 15./16. September zeigt Robert Drexel, der Fachliche Leiter der Fleischerschule Augsburg, die Herstellung von Aufschnitt, Halbdauerware oder Würstchen. Ob salz- oder fettreduzierte Produkte, ob mit oder ohne Glutamat - auch über diese Trends erfahren Sie alles Wissenswerte. 

Das Haus

Tradition mit stolzer Bilanz

Tradition mit stolzer Bilanz

Auf Betreiben von Hans Rehm, Augsburger Fleischermeister, Bezirksinnungsmeister und stellvertretender Reichsinnungsmeister, maßgebender Stadtrat und Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, wurde in den 30er-Jahren in Augsburg eine Fachschule für das Metzgerhandwerk geschaffen. Sie sollte neben einer soliden praktischen besonders die berufstheoretische Ausbildung stärken und zur Meisterprüfung hinführen. Grundlage für den Besuch der Fachschule war der Gesellenbrief. 

Hans Rehm entschloss sich, mit Hilfe der Stadt Augsburg für den Bau einer modernen Fleischerschule, in der die Schüler wohnen konnten. Die Stadt überließ kostenlos das Grundstück neben dem Schlacht- und Viehhof und trat als Bauherr auf. Im März 1937 nahm die 2. Bezirksfachschule der Fleischer „An dreas-Weidt-Schule“ den Be trieb auf. Volllehrgänge für Meis ter und Gehilfen, kurzfristige Sonderlehrgänge für Meister und Lehrgänge für die Damen des Fleischerhandwerks standen auf dem Programm. Für die Fleischer aus Augsburg und der Umgebung wurden nach Bedarf Abendlehrgänge verschiedener Art eingerichtet. 

Als im August 1939 der 24. Voll-Lehrgang auf Grund telegrafischer Anweisung sofort abgebrochen wurde und die Teilneh-mer unverzüglich in ihre Heimat orte zurückzukehren mussten, stand der 2. Weltkrieg unmittelbar bevor. Niemand ahnte, dass die Schule über zehn Jahre geschlossen bleiben sollte. Sie wurde im Krieg Hilfskrankenhaus, stand aber leer. In der Bombennacht, dem 24./25. Februar 1944, wurde sie schwer beschädigt, das Nebenhaus zerstört und die gesamte Einrichtung vernichtet. Notdürftig bewohnbar gemacht, diente sie danach als Entbindungs- und Genesungsheim für Arbeiterinnen aus dem Osten Europas. Nach Kriegsende brachte die Stadt ein Altersheim unter.

Die Fleischerschule war jedoch nicht vergessen und bald trafen die ersten Anfragen von Lehrgangsinteressenten ein. Ein junger Metzger, im Dezember 1947 aus sibirischer Kriegsgefangenschaft entlassen, schrieb schon im Januar 1948, er sei bestrebt, die Meisterprüfung abzulegen. Und obwohl im amerikanischen Sektor auf Grund der Gewerbefreiheit keine Meisterprüfungen abgenommen wurden, drängte auch die Handwerksjugend nach der Meisterprüfung.

Auf Betreiben der Fleischer-Innung Augsburg (unter Obermeister Josef Beutmüller) und der Handwerkskammer für Schwaben (unter Präsident Anton Hockelmann) beschloss der Vorstand des Landesinnungsverbandes für das bayerische Fleischerhandwerk im Januar 1950, sich für die Freigabe des Gebäudes der Fleischerschule beim Augsburger Stadtrat einzusetzen, der dies im Mai 1950 befürwortete. Im Oktober wurde die baldige Wiedereröffnung als Schule des Landesinnungsverbandes beschlossen, nur einen Monat später war es dann schon so weit: Am 4. November1950 begann mit der offiziellen Eröffnung die Erfolgsgeschichte der 1. Fachschule des Fleischerhandwerks Augsburg.

Heute, nach über 50 Jahren, sind mit der Fleischerschule Augsburg eine Reihe von Namen untrennbar verbunden. Georg Wieland, der 44 Jahre als Fachlicher Leiter an der Schule wirkte, gehört sicherlich an die erste Stelle. „Wir machen das so“ war der Titel seines Buches, in dem er moderne Methoden zur Wurstherstellung einfach dar-stellte. Er führte das Wiegen aller Bestandteile bei den Rezepturen ein, arbeitete mit speziellen Fleischsortierungen und prägte so die unverwechselbare „Metzgerwurst“. Aber auch die Namen der langjährigen Schulleiter Dr. Aumüller und Graven, des Fachlichen Leiters Schraff und des Fachlehrers Karpf sind mit der Schule verbunden. Letzterer hat das ausschwenkbare Staublech im Kutter erfunden, wie sie in den Geräten der Fa. K+G Wetter bis heute eingebaut sind. Aber auch Rolf Anger, der seit 28 Jahren in Fachtheorie unterrichtet, reiht sich schon heute in diese Liste bekannter Persönlichkeiten der Fleischerschule Augsburg ein.

Inzwischen erhält die 3. Generation von Fleischer- bzw. Metzgermeistern ihr Rüstzeug für die handwerkliche Selbstständigkeit oder den beruflichen Aufstieg. 310 Meistervorbereitungslehrgänge, 19 Fortbildungskurse zum/zur Verkaufs-leiter/in im Fleischerhandwerk und die zahlreichen Praxisseminare sind eine stolze Bilanz. Doch nicht die Anzahl der Kurse steht im Vordergrund. Worum es geht, ist die solide praktische und berufstheoretische Fachausbildung. Direkter Nutzen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist der im Schulmotto formulierte An spruch: „Durch uns zum Erfolg“.